Unsere Geschichte

Begonnen hat es in einem kleinen Hauskreis im Altweg, den man damals als „Stubenversammlung“ bezeichnete. Man schrieb das Jahr 1909, als die Deutsche Reichspost den bargeldlosen Zahlungsverkehr einführte und Kaiser Wilhelm II. als letzter deutscher Monarch herrschte.
Einige an der Bibel Interessierte trafen sich privat zum Austausch über Fragen zu Gott und seinem Wort. Dadurch wurde ihnen die Bibel ganz neu erschlossen und sie verstanden, dass nur in Jesus Christus allein das ewige Leben zu finden ist. Kaum hatte sich der inzwischen gewachsene Hauskreis in Eichstetten gefestigt, brach fünf Jahre später der Erste Weltkrieg aus. Glücklicherweise fielen keine Hauskreisbesucher dem Krieg zum Opfer. Als die Soldaten heimkehrten entstand Platznot in der kleinen Gemeinde. Doch die Suche nach einem geeigneten Raum gestaltete sich schwierig bis ein Zugehöriger einen Bauplatz in der Marienstrasse der Glaubensgemeinschaft gratis zur Verfügung stellte. Mit großem Eifer wurde das Haus im Jahre 1921 trotz der Inflation erbaut.
Es dauerte nicht lange, bis der Zweite Weltkrieg seine Schatten warf. Die antisemitische Propaganda betraf auch viele der damals in Eichstetten ansässigen Juden. Für die junge Gemeinde stellte diese Entwicklung eine große Herausforderung dar, denn sie sahen die Juden als Gottes Volk und wussten demnach, dass das „Heil aus den Juden kommt“! Mit Ausbruch des Krieges schloss sich die Gemeinde mit anderen Christen in einem „Bund“ zusammen. Nur so war es ihnen weiterhin möglich sich öffentlich zu versammeln. Die Zeit des Krieges war hart für die junge Gemeinschaft, die vorwiegend in der Landwirtschaft tätig war. Besonders schmerzlich trafen sie der Verlust von sieben Gefallenen und einiger, die in Gefangenschaft kamen. Erst Jahre später konnten sich die Familien wieder von den Härten des Krieges erholen. Ein Meilenstein in der Geschichte dieser wachsenden Gruppe war die Einführung der „Eichstetter Konferenz“, die seit 1947 bis heute ununterbrochen stattgefunden hat. Die ursprüngliche Absicht dieser Konferenz war der Austausch über biblische Lehre. Im Jahre 1948 wurde ein eingetragener Verein mit dem Namen „Evangelisch- Freikirchliche Gemeinde Eichstetten e.V.“ gegründet. Ein weiterer Schritt in der Entwicklung der Gemeinde war die Aussendung des ersten Missionars nach Übersee im Jahre 1957. Die in Eichstetten aufgewachsene Elise Hornecker war viele Jahre in einer Arbeit für Waisenkinder in Süd-Tansania tätig. Mit dem im Jahre 1968 gegründeten Posaunenchor erweiterte die Gemeinde ihre musikalischen Möglichkeiten und Aufgaben. Dieses neue Angebot wurde besonders von der jungen Generation angenommen.
Inzwischen wuchs die Zahl der Gemeindemitglieder stark an, sodass der bereits 57 Jahre alte „Saal“, wie man den Gemeinderaum bezeichnete, zu klein wurde. Die Platznöte beflügelten zu neuen Plänen. Man entschied sich für einen kompletten Neubau auf demselben Grundstück.
Geburtenstarke Jahrgänge führten 1998 dazu, dass der Platz im Gemeindehaus erneut zu knapp wurde. Wieder wurden Pläne geschmiedet. Doch wohin sollte man bauen? Weder eine Aufstockung noch eine Verbreiterung des Gebäudes war möglich, eine Lösung schien zunehmend schwieriger. Verschiedenste Varianten wurden durchdacht, bis man sich schließlich für eine bestmögliche Ausnutzung der Räumlichkeiten entschied. Mit einer Leichtkonstruktion aus Stahl und Glas wurde eine Empore an die Dachkonstruktion eingehängt, die sich harmonisch in den Raum einfügt. Durch weitere Umgestaltungsmaßnahmen konnten etwa 60 Plätze dazu gewonnen werden.
Die inzwischen etwa 160 Personen zählende Gemeinde schaut dankbar auf ihr 100-jähriges Bestehen zurück. Sie weiß, dass trotz allem Einsatz von engagierten Menschen dennoch alles an Gottes Segen liegt! Die Gründerväter zeigten vorbildlichem Glaubensmut und Pioniergeist indem sie Neues wagten. Die Aufgaben und Herausforderungen in einer modernen Welt sind nicht weniger geworden. Das Ziel der Gemeinde bleibt das gleiche: Menschen die gute Nachricht von Jesus Christus nahe zu bringen.
Um unsere theologischen Hintergründe besser verstehen zu können, muss man in die Anfänge des 19. Jahrhunderts zurückblicken. Im Jahre 1828 entstand in England eine dynamische Reformbewegung. Diese Christen wurden von Außenstehenden „Plymouth-Brüder“ genannt. Man traf sich ganz schlicht ohne Benennung als „einfache Brüder“ gemäß dem Motte Jesu: „Einer ist euer Meister, ihr aber seid alle Brüder“. Diese Form der Gemeinschaft stellte einen großen Kontrast zum Klerikalismus der damaligen anglikanischen Kirche Englands dar. Das Herzstück dieser Bewegung bildeten der starke Bezug zur „Heiligen Schrift“ und das Versammeln um „den Tisch des Herrn“ (Abendmahl). Neben der Verbreitung des Evangeliums engagierte sich diese Bewegung auch intensiv im sozialen Bereich. Der als „Waisenvater zu Bristol“ in die Geschichte eingegangene, bekannte Georg Müller, ist einer der maßgeblichen Gründer dieser Bewegung. Die Ausbreitung dieser neuen Reformbewegung erfolgte in Deutschland etwa um 1850. Ein wichtiger Vertreter dieser Lehre war Carl Brockhaus, von dem auch viele wertvolle geistliche Lieder stammen. Die „Brüderbewegung“ blieb ihrem Grundsatz treu, keine klerikalen Unterschiede zu machen. Bis heute erfolgen auch bei uns noch alle Aufgaben ausnahmslos in ehrenamtlicher Weise. Die Bewegung verbreitete sich über Europa hinaus bis in die gesamte Welt.
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